Krisenstabssimulation mit Crisis Exploit

Am Donnerstag, den 3.6.2020, von 15:00 bis 18:00 Uhr hat die Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik Halle, in Zusammenarbeit mit Crisis Exploit eine ca. dreistündige Krisenstabssimulation durchgeführt. In zwei Krisenstäbe aufgeteilt, wurden die Teilnehmer:innen über Discord mit einem komplexen Szenario konfrontiert.

 

Nach einer kurzen Begrüßung sowie Vorstellung des BSH und der Hochschulgruppe von Seiten der HSG Halle übernahm das Team von CriEx für die Veranstaltung das Ruder und startete ihrerseits mit einer Begrüßung. Die Teilnehmer:innen und angehenden Krisenstabsmitglieder wurden schnell mit einander vertraut gemacht und schnell wurden die unterschiedlichen Hintergründe und Vorerfahrungen der Teilnehmer:innen deutlich. Ca. die Hälfte der Teilnehmenden kam aus Halle, der Rest aus verschiedenen Ecken des Bundesgebiets und es fanden sich eine Vielzahl verschiedener Fachrichtungen.

 

Um den Studierenden die Möglichekeit einer methodischen Herangehensweise zu ermöglichen, bildete den thematischen Auftakt ein Block zu Grundlagen, Theorien und Methoden der Krisenstabsarbeit, sowie einiger Definitionen, wie beispielsweise die des Krisenbegriffes. Auch ging es um die Frage, was ein Krisenstab überhaupt ist, ob und wann man ihn braucht und wozu er da ist. Neben diesen allgemeinen Fragen wurde auch beispielhaft eine mögliche Aufteilung von Krisenstäben mit den einzelnen benötigten Rollen sowie Strukturen und Abläufe innerhalb des Stabes aufgeschlüsselt. Die Ziele, die diese "Schreibtischübung" erreichen wollte sind dabei zum einen die Sensibilisierung für die Notwendigkeit von Stabsarbeit, die Anwendung von Methoden dieser sowie das Erleben von Komplexität der Stabsarbeit. Im Anschluss an die theoretisch/methodische Einführung sprangen die Teilnehmer:innen in zwei vorsortierte Kleingruppen, welche im kommenden Teil zwei Krisenstäbe simulieren würden. Nachdem die Gruppen sich in einer kurzen Vorbereitungphase in sich Strukturieren und ihren Rollen aufteilten, startete an diesem Punkt die eigendliche Simulation. Diese war in drei Hauptabschnitte unterteilt. Die Lagephase, die Planungsphase und die Befehlsphase. Während der Simulatuion wurden die Teilnehmerinnen dabei ständig durch Lageänderung, Zusatzinformationen und simulierte Mediale dynamiken auf Trap gehalten und als Gruppe vor immer neue Herausforderungen gestellt. Nach Ablauf der eigendlichen Simulation wurden die Ergebnisse der Stäbe in der Gesammtgruppe mit allen zusammen ausgetauscht, verglichen und evaluiert, bevor es anschließend in eine Reflexionsphase zur eigenen Gruppenarbeit und der Veranstaltung an sich weiter ging.

 

Da jedoch nicht alle die gerne teilgenommen hätten teilnehmen könnten, werden wir an dieser Stelle garnicht viel genaueres zu dem Szenario selbst erzählen. Abschließen gab es neben einiger konstruktiver Kritik und einigen Anregungen vorallem positive Rückmeldungern der Teilnehmer:innen. Besonder hervorzuheben ist hierbei der starke Lerneffekt, der insbesondere durch die eigene Unvollkommenheit der Leistung als Krisenstab zu stande kommt und Lust macht, sich als Gruppe gleich der nächsten Herausvorderung zu widmen, in der Festen Überzeugung es doch diesmal besser zu schaffen. Die drei Stunden waren schnell vorbei und wir möchten uns daher an dieser Stelle bei Crisis Exploit bedanken und empfehlen die Krisenstabssimulationen gerne weiter. Wenn Ihr  also gerne einmal selbst Teil eines solchen Krisenstabs sein wollt, dann haltet auf unserer oder der Webseite des BSH die Augen offen, auch für das Jahr 2021 sind bereits weitere Krisenstabssimulationen geplant!

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert - Das Verhältnis von Türkei und NATO am Beispiel des Erdgasstreits im Mittelmeer

Im vergangenen Sommer erhöhten sich erneut die Spannungen im östlichen Mittelmeer, zwischen der Türkei und anderen Anrainer- und NATO-Mitgliedsstaaten, darunter Griechenland und Frankreich.

Vor diesem Hintergrund haben wir am 22.04.2021 unser erstes englischsprachiges Web-Seminar unter dem Titel „Beziehungsstatus: Es ist kompliziert - Das Verhältnis von Türkei und NATO am Beispiel des Erdgasstreits im Mittelmeer“ veranstaltet.

Die eingeladenen Experten Dr. Günther Seufert, Leiter des Zentrums für angewandte Türkeistudien bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und Dr. Zenonas Tziarras vom PRIO Cyprus Center (PCC) ergänzten sich in diesem Format hervorragend und ermöglichten ein spannendes lehrreiches Online-Seminar. Dr. Tziarras brachte dabei insbesondere seine Außen- und geopolitische Expertise als Forscher vor Ort in der Region ein, während Dr. Seufert die Veranstaltung mit einen Blick auf die Türkei und deren Dynamiken an sich und deren bedeutung für die Entwicklung der Verhältnisse mit anderen regionalen Akteuren warf.

Das Online Seminar war mit knapp über 20 Teilnehmer:innen gut besucht und es mangelte nicht an spannenden Fragen durch die Teilnehmer:innen. Ein paar der wichtigsten Punkte im Folgenden einmal grob und ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammen gefasst:

 

Dr. Tziarras stellte in seiner Vortragserföffnung drei Hauptfaktoren vor, die zum Aufstreben der Türkei und der Lage, in der sie sich befindet, beigetragen haben.

Als ersten Faktor nennt er die Machtransition von einem unipolaren System hin zu einem multipolaren System. Den zweiten Faktor sieht er in der Suche der Türkei nach ihrer Identität, während des Kalten Krieges und danach. Zunächst von einem demokratischen Weg, begleitet  von wirtschaftlichem Aufschwung hin in eine mehr revisionistische Richtung, nachdem die AKP ihre Macht stabilisiert hat.

Als dritten und letzten Faktor führt er an, wie die innertürkischen Entwicklungen von umliegenden regionalen Akteuren wahrgenommen wurde und der damit einhergehende Versuch das türkische Machtstreben in Balance zu halten. 

Dr. Tziarras wies darauf hin, dass jeder der Staaten versucht dabei seine eigenen Interessen zu verfolgen. So formierten sich Griechenland und Zypern gegen die Türkei, mit dem Ziel eine  Verteidigung gegen ihr Regionalmachtstreben aufzubauen. Andere Staaten, beispielsweise Ägypten hatten das Ziel neue Handels- und Wirtschaftspartner zu finden und warum insofern motiviert die einhegung der Türkei fortzuführen.

Statt eines Ressourcenkonfliktes sieht Dr. Tziarras den Grund für sich entwickelnden Spannugen eher im griechisch-türkischen Konflikt. Das Erdgas führe jedoch zu einem Anheizen des Konfliktes.

Eine Konfrontation mit der NATO schloss er aus. Aus seiner Sicht ist eine integrative regionale Organisation nötig, um den Konflikt zu entspannen.

 

Dr. Seufert befasste sich in seinem Input vor allem mit der Ideologie des Neoosmanismus, der die türkische Führung stark anhängt.

Er stellte dabei folgendes hervor:

Der Neoosmanismus beschreibt eine romantische Vorstellung des Osmanischen Reiches in der historischen Betrachtung. Dr. Seufert weist jedoch darauf hin, dass dies nicht in einem nationalistisch-ethnozentrischen Sinne verstanden werden darf. Der Osmanische Staat ist explizit für alle Muslime dar.

Daneben versteht sich Osmanismus beziehungsweise Neoosmanismus als kritisch gegenüber der Moderne und dem modernen Nationalstaat. Diese Vorstellung werde auch in der AKP verfolgt, die überzeugt ist, dass um Frieden und Stabilität zu erreichen, der Nationalstaat überwunden werden müsse. Dies spiegele sich auch in der Öffnung zu einer panarabischen Bewegung hin.

 

In der Frage-Antwort Runde, welche über die Hälfte der Veranstaltung einnahm, übertrafen sich die Teilnehmer:innen mit hochspannenden Fragen, wodurch wir angeregt und mit vielen neuen Perspektiven und einer Portion Wissbegierde aus der Veranstaltung herausgehen. Insgesammt war das Seminar ein voller Erfolg, was auch die durchweg positive Resonanz wiederspiegelte. Da uns im Nachhinein auch Fragen bezüglich einer Veranstaltungsaufzeichnung erreichten, müssen wir leider mitteilen, dass eine solche nicht existiert. Darüber hinaus war dies unsere erste englischsprachige Veranstaltung. Die Sprache war dabei inhaltlich kein Hindernis, und wir werden auch in Zukunft englischsprachige Seminare Veranstalten.

 

Abschließend bedanken wir uns ganz herzlich bei Herrn Seufert und Herrn Ziarras und würden uns freuen, wenn dies nicht unser letzter Kontakt zu den beiden Experten war.

Szenario-Übung 2029

Am Donnerstag, den 17.12.2020, von 15:00 bis 18:00 Uhr haben wir, die Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik Halle, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) die „Szenario-Übung 2029“ durchgeführt.

Was wäre, wenn? Wie sieht unsere Welt in 8-10 Jahren aus? Diesen Fragen sind wir mit 15 Teilnehmenden der Szenario-Übung auf den Grund gegangen. Die für den diplomatischen Bereich ausgelegte Übung wurde von Alena Epifanova und Marina Solntseva von der DGAP geleitet. Gemeinsam begaben wir uns für 3 Stunden in das fiktive Jahr 2029, betrachtet und gespielt aus den Positionen der drei Staaten/Bündnisse: Vereinigten Staaten von Amerika, Russland und der Europäischen Union. Die Teilnehmenden wurden in diese drei Gruppe aufgeteilt - von da an waren Sie Diplomaten und Vertreter ihrer jeweiligen Staaten/Bündnisse.

Durch die sehr real ausgearbeiteten Einsatzpapiere, die die Situation in der Szenario Welt 2029 beschrieb und die Agenda des jeweiligen Landes darstellte, konnten die Teilnehmenden einen Einblick in das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen des Jahres 2029 bekommen und auf diesen Informationen aufbauend, ihre Verhandlungstaktiken aufbauen. In gemeinsamen Strategieunterbrechungen konnten sich die Vertreter der Staaten/Organisation immer wieder gemeinsam besprechen und fragen: Was sind wir bereit aufzugeben, worüber könnte man reden und was ist für uns nicht verhandelbar? Durch diese sehr real simulierten Verhandlungen wurde nicht nur Geduld und Kompromissfähigkeit, sondern auch die Verhandlungskompetenz aller Teilnehmenden gestärkt.

Nachdem die Veranstaltung wie im Flug vorbei gewesen ist fiel das Feedback der Teilnehmenden sowie unserer Hochschulgruppe sehr positiv aus. Auch wenn alle übereinstimmten, dass durch das Online-Format die Übung ein wenig an Austausch und Verhandlungsmöglichkeiten zwischen den Parteien einbüßen musste, war der Output, ein verhandeltes Abkommen zwischen allen Parteien im fiktiven Jahr 2029, und der reale Erfahrungs- und Kompetenzgewinn im Jahr 2020 für alle Teilnehmenden ein Gewinn.

Wir bedanken uns hiermit nochmal herzlich bei allen Teilnehmenden und vor allem bei Alena Epifanova und Marina Solntseva für die Durchführung der sehr gelungenen Veranstaltung!

 

 

 

Autonome Waffensysteme - Wer oder was führt die Kriege der Zukunft?

 

Am Donnerstag, den 06.08.2020, um 17:30 veranstaltete die Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik Halle, gemeinsam mit Dr. Frank Sauer, ein Online-Seminar zum Thema Autonome Waffensysteme. Die für ca. 100 Minuten angesetzte Veranstaltung trug den Titel: "Autonome Waffensysteme: Wer oder was führt die Kriege der Zukunft?". Die Anmeldung zum Online-Seminar war bis einschließlich Donnerstag, den 06.08.2020 um 17:00 via E-Mail an halle@sicherheitspolitik.de möglich. Bis zum Beginn der Veranstaltung wurden 37 Anmeldungen bestätigt, von denen 35 bei der Veranstaltung anwesend waren. Der Referent bat im Vorhinein darum, die Veranstaltung nicht aufzuzeichnen und zu veröffentlichen, um sie erneut an anderer Stelle halten zu können. Daher wurde von einem wörtlichen Protokoll oder der Aufzeichnung abgesehen. Dr. Sauer forscht und publiziert zu Fragen der internationalen Politik, insbesondere internationaler Sicherheit an der Universität der Bundeswehr München.                                                                             

Nach einer kurzen Begrüßung und Einstimmung durch die örtliche Vorsitzende, Friederike Engelbrecht, startete die Veranstaltung in die erste Etappe, welche aus einem ca. 40-minütigen Vortrag von Dr. Sauer bestand. Dieser leitete das Thema zunächst durch eine nähere begriffliche und konzeptionelle Bestimmung des Phänomens autonomer Waffensysteme ein. Autonomie und Automatik in Waffensystemen wurden erläutert und es wurde festgestellt, dass die Übernahme von Funktionen durch Maschinen weder gänzlich neu noch per se problematisch ist, sondern vielmehr der Operationskontext und die Art der bekämpften Ziele entscheidend sind. Daraufhin wurden die Triebfedern hinter der Entwicklung hin zu mehr Autonomie in Waffensystemen, inklusive der sogenannten kritischen Funktionen der Zielauswahl und -bekämpfung, beleuchtet und die Beschleunigung von Abläufen als wesentlich herausgestellt und am sogenannten targeting cycle veranschaulicht. Im Mittelteil wurden die rechtlichen, ethischen und sicherheitspolitischen Implikationen unregulierter Waffensystemautonomie diskutiert. Abschließend wurde ein Blick auf den Stand nationaler und internationale Regulierungsbemühungen geworfen.

 

Auf dieses Input aufbauend, war nun der Zeitpunkt gekommen, um in eine ca. 60-minütige Q&A-Session zu starten. Unter der Moderation von Frederic Dutke, Vize-Vorsitzender der HSG Halle, wurde der Rest der Veranstaltungszeit durch vielerlei Fragen aus verschiedensten Perspektiven voll ausgeschöpft und alle Fragen konnten durch den Referenten, mit Möglichkeit zum Nachhaken, beantwortet werden sodass das Seminar gegen 19:15, nach kurzer Verabschiedung, ein rundes Ende fand.
Wir bedanken uns hiermit nochmal recht herzlich bei unserem Referenten Dr. Frank Sauer für sein Engagement und seine Zeit sowie für die zahlreichen Fragen der Teilnehmer*innen!

 

Der Weltraum als Austragungsort neuer Konflikte

 

 

Der Weltraum als Sphäre für Bedrohungen und Risiken der Sicherheit ist nicht gänzlich neu auf der sicherheitspolitischen Agenda. Bereits im Kalten Krieg kam der orbitalen Infrastruktur eine zivile und militärische Bedeutung zu. Sowohl die Kommunikation, das Ausspähen von Gegnern als auch das nukleare Frühwarnsystem waren stark abhängig von Satelliten-Systemen.

 

Zu diesem gegenwärtig hoch aktuellen, aber in der fachfremden Öffentlichkeit noch recht unbekannten Thema, hat die Hochschulgruppe für und Außen- und Sicherheitspolitik Halle ein Q&A mit dem Titel "Der Weltraum als Austragungsort neuer Konflikte?" organisiert. Als Experte konnte Torben Schütz, Associate Fellow für das Programm Sicherheit, Verteidigung und Rüstung der Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), akquiriert werden.

 

In seinem Eingangsstatement informierte Herr Schütz über die naturwissenschaftliche Verortung des Orbits sowie seine gegenwärtige wirtschaftliche und militärische Nutzung. Den Schwerpunkt setzte der Referent jedoch auf den Aspekt der Bedrohungen im Weltraum. Hierbei nahm er eine Unterteilung in aktive bzw. passive menschengemachte Bedrohungen sowie natürliche Bedrohungen, wie zum Beispiel Trümmerteile von alten, inaktiven Objekten im Orbit, vor. Besonders die aktive menschengemachte Bedrohungen sind nach der Expertise von Herr Schütz ein zukünftig relevantes Konfliktfeld und damit eine mögliche Quelle für nationale bzw. internationale Unsicherheit. Dabei teilte er die militärischen Bedrohungsarten in bodengebundene Waffen, Weltraumwaffen, Cyberangriffe und elektronische Kampführung ein. Insbesondere die bodengebundenen Anti-Satelliten-Waffen (ASAT) sind bereits von Staaten wie den USA, Israel und Russland erfolgreich getestet worden. Diese ASAT basieren zum gegenwärtigen Stand der Technik noch auf der Grundlage kinetischer Waffensysteme. Insgesamt sind sowohl zivilgenutzte Satelliten als auch militärische genutzte Systeme, durch die Möglichkeit sie von der Erde aus abzuschießen, äußerst verwundbar. 

 

Als einen weiteren interessanten Aspekt verdeutlichte Herr Schütz die Veränderung der Struktur der Akteure, die den Weltraum kommerziell und militärisch nutzen. Unter den staatlichen Beteiligten hat China seine Aktivitäten enorm gesteigert. Bei den nicht-staatlichen Institutionen gebe es eine generelle Zunahme der Zahl von Raketenstarts, was zu einer weiteren Zunahme der Komplexität der Sicherheitslage im Weltraum führe.

 

Einige Staaten, wie zum Beispiel Frankreich, China und die USA, haben sich mit dem deutlichen Ausbau der orbital gestützten Aktivitäten ihrer Streitkräfte und dem Ausarbeiten von Strategiepapieren für den Weltraum bereits positioniert. Dies verdeutlicht, wie diese Nationen bereits zukünftige sicherheitspolitische Interessen im Weltraum definieren bzw. deren Durchsetzung garantieren zu versuchen. Die NATO hat die Relevanz dieser neuen potenziellen Bedrohung für das Bündnissystem erkannt und den Weltraum als operationales Einsatzgebiet ausgewiesen. Dies wirft jedoch weitere Fragen auf wie zum Beispiel, ähnlich wie im Cyberraum, Unklarheit im Umgang mit der Beistandsverpflichtung (Artikel 5) besteht, da in beiden Einsatzgebieten keine territorialen Grenzen existieren und die Verursacher der Angriffe schwer zurückzuverfolgen sind. Ein weiteres Problemfeld, welches Herr Schütz aufzeigte, ist die Abwesenheit von Rüstungskontrollverträgen und Verträgen über die Entmilitarisierung des Weltraums - die wenigen und eher uneffektiven bereits existierenden Verträge stammen noch aus Zeiten des Kalten Krieges und sind für die technologischen Expansion in den Orbit nicht mehr  angemessen. Diese sollten mit dem Ziel der Entmilitarisierung des Weltraumes wieder auf die sicherheitspolitische Agenda der Entscheidungsträger gerückt werden.

 

Torben Schütz hat sowohl in seinem sehr umfassenden Vortrag als auch in der konstruktiven Diskussion mit den Veranstaltungsteilnehmern gezeigt, welche Risiken bereits heute innerhalb des Weltraums für unsere nationale bzw. internationale Sicherheit existieren. Mit der weiteren Integration der konventionellen Streitkräfte in das Weltall wird auch mit hoher Wahrscheinlichkeit die militärische Nutzung insgesamt steigen und damit auch in den verstärkten Fokus zukünftiger Konflikte rücken. Gerade die abschließende Diskussion und Möglichkeit Fragen an den Fachexperten zu stellen, wurde intensiv genutzt und von beiden Seiten sehr begrüßt.

 

Wir bedanken uns hiermit nochmal recht herzlich bei Torben Schütz und allen Teilnehmern für die gelungene Veranstaltung!

Kauft sich China die Welt? 

Die Investitionsmotive des angehenden Hegemonen nehmen weltweit zu – vom Ausbau der Neuen Seidenstraße über Investitionen in Afrika und der Ausbildung hoch qualifizierter Akademiker zeigt das Reich der Mitte in zahlreichen Bereichen starke Präsenz. Doch darüber, wie genau der Einfluss Xi Jinpings in der Welt realistisch einzuschätzen ist, diskutierten die drei Experten Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, Prof. Dr. Ulrich Blum und LL.M.oec. Frank Zeugner unter der Moderation von Prof. Dr. Johannes Varwick Anfang Juni im Rahmen einer Veranstaltung der Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik der Universität Halle. 

 

Einstimmigkeit herrschte vor allem über die innere Instabilität des Landes, die durch die Ambivalenz zwischen urbanen und peripheren Regionen sichtbar wird. Variierende Wirtschaftsleistung und Lebensstandards innerhalb der Volksrepublik verdeutlichen die Heterogenität des Landes.  Geeint werde die Nation durch ihre “Urängste”, die laut den Experten als ein möglicher Erklärungsansatz für das aktuelle Aufstreben Chinas angesehen werden können. Hierbei handele es sich zum einen um die Angst vor dem Kontrollverlust durch externe Mächte, wie es bereits mehrmals in der Historie des Landes geschehen ist, beispielsweise im Rahmen des Opiumkrieges. Zum anderen sei die Angst vor Hunger zu nennen, welche das chinesische Volk gerade in Zeiten der Kulturrevolution erleben musste. Zuletzt sei als drittes die Angst, durch andere Staaten erniedrigt zu werden, zu erwähnen. Um die eigene Stärke der Welt präsentieren zu können, baue China auf Dominanz und Machtdemonstration sowie wirtschaftliches Wachstumsstreben. Sowohl die neue Seidenstraßen - Initiative als auch die Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent dienen als Beispiel für die Investitionsmotive des aufstrebenden Hegemonen. Die an der neuen Seidenstraße liegenden Staaten profitieren, befinden sich aber zugleich in einer wachsenden chinesischen Abhängigkeit. Aufgrund dieser Wachstumsbestrebung Chinas ergebe sich daher eine weltweite sicherheitspolitische Bedrohung. Als weitere Gefahr wurden die zunehmenden Handelswege und der Gebrauch von Ressourcen auf dem afrikanischen Kontinent genannt, die China zunehmend als internationalen Akteur im Rahmen einer neoimperialistischen Weltordnung etabliere. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sei das zunehmend vorhandene westliche Know-How im Land, das durch die Ausbildung junger Chinesen an ausländischen Universitäten importiert wird. Allein in den USA studieren circa 300.000 junge Chinesen, in Deutschland sind es circa 30.000, die nach ihrer Ausbildung mit dem erworbenen Wissen in ihre Heimat zurückkehren. 

 

Die Beispiele der Seidenstraße, Afrika und Akademikern zeigen das gesteigerte chinesische Engagement im internationalen Bereich und die damit einhergehende, nicht zu unterschätzende, Dominanz Chinas. Vor allem die finanzielle Verstrickung in weniger entwickelten Ländern gewährt Raum für chinesische Abhängigkeit. Die Frage “Kauft sich China die Welt?” war daher nicht vollkommen aus der Luft gegriffen und bedarf sicherlich mehr Diskussion und Dialog in der Zukunft.

 

Wir möchten uns hiermit nochmal recht herzlich bei allen Diskutanten für ihre Teilnahme an der Veranstaltung bedanken!

 

Theresa Landmann und Friederike Engelbrecht (Vorstand der HSG Halle)

Ist die Ukraine ein fragiler Staat?

Am 04. Dezember 2018 veranstaltete die Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ihre zweite Podiumsdiskussion. Die Durchführung erfolgte mit freundlicher Unterstützung von Dr. Michael Kolkmann. Im Rahmen der obligatorischen Vorlesung im Basismodul „Systemanalyse und Vergleichende Politikwissenschaft" sollte das Thema „Fragile Staaten“ am konkreten Beispiel der Ukraine thematisiert werden. Dr. Kolkmann stellte der HSG zu diesem Zweck eine Stunde seiner Vorlesungszeit zu Verfügung. Um das Thema auf einer breiteren fachlichen Ebene beleuchten zu können, hatte die HSG Dr. Jana Windwehr aus dem Fachbereich Internationale Beziehungen eingeladen an der Diskussion teilzunehmen. 

 

Die Veranstaltung gliederte sich in 3 Abschnitte. Zunächst gab Dr. Kolkmann den Studierenden eine fachliche Einführung in das Thema der fragilen Staatlichkeit. Im zweiten Teil präsentierte Felix Neumann von der HSG eine kurze Einführung in den Ukrainekonflikt, in der er neben einer geografischen Konfliktanalyse auch die grundlegende Entwicklung des Konflikts zusammenfasste. Anschließend leitete er in die Diskussion über, in welcher er den Part des Moderators übernahm. 

 

In der Diskussion wurden zunächst verschiedene theoretische Ansätze zur Analyse fragiler Staaten beleuchtet. Im Fokus standen dabei die diversen Indizes mit denen Staatlichkeit beurteilt werden kann. Beginnend mit dem „Fragile State Index“ wurden Vor- und Nachteile von den beiden Diskutanten herausgestellt. Thematisiert wurden darüber hinaus der Demokratieindex vom „The Economist“, der Bertelsmann Transformationsindex und der Freedom House Index. Die zeitlichen Veränderungen in einem Staat ließen sich am besten mit dem Bertelsmann Transformationsindex darstellen, so Herr Dr. Kolkmann.. Bei allen Indizes sei jedoch zu beachten, dass zwischen vielen der abgebildeten Politikbereichen eine Interdependenz bestünde, sodass die Veränderung in einem Bereich auch Einfluss auf die anderen hätte. 

 

Bei der Anwendung auf das konkrete Beispiel der Ukraine stellte Frau Dr. Windwehr fest, dass beispielsweiseder Demokratieindex des „The Economist“ die Konzentration von Medien bei wenigen Oligarchen vernachlässige. Insgesamt sei die Ukraine noch weit davon entfernt als ein „Failed State“ zu gelten. Dies zeigen auch die Indizes, bei denen die Ukraine meist im Mittelfeld zu finden ist. Wichtig sei es, die positive Entwicklung der letzten Jahre zu fördern. Diese Aufgabe sieht sie klar auf Seiten der Europäischen Union: „Die Frage um die Zukunft der Ukraine wird uns die nächsten 2-3 Jahre intensiv beschäftigen.“ 

 

Am Ende bekamen die Studierenden die Chance Fragen an die beiden Dozenten zu stellen. Eine Frage aus dem Publikum betraf die Möglichkeit des Beitritts der Ukraine zur Europäische Union. Frau Dr. Windwehr merkte hierzu an, dass die damit verbundenen Risiken für die EU wohl zu groß seien. Wenn, dann könne eine solche Eingliederung nur in enger Abstimmung mit Russland erfolgen. Herr Dr. Kolkmann sieht größeres Potential in Kooperationsmöglichkeiten außerhalb des Systems der EU. Hierbei nahm er Bezug auf die Vorstellung eines „Europas der unterschiedlichen Geschwindigkeiten“. 

 

Wir möchten uns hiermit nochmal recht herzlich bei allen Teilnehmern für die angeregte Diskussion bedanken.

Handelskrieg - Eine moderne Form des Kräftemessens?

Von Lewis Jeans, Harley-Davidson und J.K. Rowling

 

Am 04.06.2018 haben wir, die Initiative für Außen- und Sicherheitspolitik, an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) unsere erste Podiumsdiskussion veranstaltet. Nach wochenlangen Vorbereitungen und Überlegungen waren wir schließlich Gastgeber einer Diskussionsrunde zum Thema „Handelskrieg – eine moderne Form des Kräftemessens?“. Knapp 150 Gäste aus den Fachbereichen der Podiumsteilnehmer: Politikwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften, sowie allgemein Interessierte gaben der Veranstaltung ihren Rahmen. Eine kurze Begrüßung und Vorstellung unserer studentischen Gruppe bildete den Auftakt des Abends, bevor Dr. Christian Stock, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für internationale Beziehungen, im Rahmen der Moderation das Wort übernahm. Mit spannenden Eingangsstatements stellten sich unsere vier Podiumsteilnehmer vor:      

Prof. Dr. Martin Klein, Prof. Dr. Ingo Pies, Prof. Dr. Christin Tietje und Prof. Dr. Johannes Varwick. 

 

Aufgrund der enormen Aktualität des Themas und den konträren Meinungen und Aussagen, die in den Medien publiziert werden, versprachen wir uns eine spannende Diskussion. 

Durch ein alltagsnahes Beispiel, indem Angebots- und Nachfrageverhältnis anhand der J.K. Rowling Bücher erklärt wurde, überzeugte Herr Prof. Dr. Pies vom Lehrstuhl für Wirtschaftsethik direkt zu Beginn. Im Verlauf der Veranstaltung wurde das Thema des Abends sehr konträr diskutiert. Ist „Handelskrieg“ zu provokativ formuliert? Was bedeutet überhaupt Krieg? So waren sich alle Teilnehmer darin einig, dass es sich nicht um einen Krieg im ursprünglichen Sinne handelt, so wie es häufig in den Medien publiziert wird, sondern um eine heftige politische Auseinandersetzung mit strategischem Vorgehen, um eigene politische und wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Denn gerade dies ist der Kern der Thematik. Es geht lediglich um die Interessen dreier Mitspieler. Somit soll unteranderem die innere Sicherheit der USA gewährleistet bleiben und die hohen Exportüberschüsse mancher Länder, wie beispielsweise dem von Deutschland entgegengewirkt werden. 

Aber auch der sicherheitspolitische Aspekt konnte durch Herrn Prof. Dr. Varwick genauer beleuchtet werden, in dem er sich vor allem darauf bezog, dass eine von den USA geführte Welt besser ist, als eine von Russland und China geführte. 

Ein besonderer Fokus konnte durch Prof. Dr. Klein vom Lehrstuhl für internationale Wirtschaftsbeziehungen auf die Rolle Chinas gelegt werden. 

Prof. Dr. Tietje vom Lehrstuhl für Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europarecht und Internationales Wirtschaftsrecht äußerte sich wie folgt zu der Bedeutsamkeit dieser Angelegenheit:„Es geht um Protektionismus. Das Thema ist aktuell und wird es immer sein.“ 

Die Diskussion zeichnete sich vor allem durch ihre Interdisziplinarität aus, wodurch interessante Ansätze von Denkweisen aus den ganz unterschiedlichen Fachbereichen unserer Podiumsteilnehmer vorgestellt wurden. Dies sorgte für eine durchweg kontrastreiche Diskussion verschiedenster Blickwinkel. 

Letztendlich kam man zu folgender Schlussfolgerung – die Vereinigten Staaten von Amerika handeln nicht grundlegen falsch, indem sie auf Importe, wie zum Beispiel auf Stahl aus Deutschland hohe Strafzölle von bis zu 25 Prozent erheben. Die Art und Weise wird jedoch nicht für sinnreich gehalten.

 

Nach einer etwa 60-minütigen, teils sehr hitzigen Diskussion innerhalb des Podiums, wurde es für die verbleibenden 30 Minuten interaktiv – und das Publikum hatte viele Fragen. Von allgemeinen Statements aus eigener Perspektive, bis hin zu konkreten Fragen über die Zukunft der multilateralen Welt, war alles vorhanden.

Einige Fragestellungen sorgten sowohl bei unseren Gästen als auch bei der Zuhörerschaft für leichtes Schmunzeln. So handelte die letzte Frage von Levis Jeansund Harley-Davidson - und ob Sanktionen der EU diese Produkte nun deutlich teurer werden lassen würden. Als neu gegründete Initiative für Außen- und Sicherheitspolitik der MLU sind wir sehr zufrieden und stolz auf die Gestaltung des Abends und die Diskussion. Dies liegt natürlich auch an der angeregten Teilnahme unserer Gäste, bei denen wir uns hiermit nochmal herzlichst bedanken möchten!